Getäuschte Bienen verwirren ihre Artgenossen bei der Futtersuche

Eine getäuschte Biene kann Dutzende ihrer Artgenossen in die Irre leiten. Mit optischen Reizen spielten Würzburger Forscher mehreren Erkundungs-Bienen eine falsche Entfernung vor. Im Schnitt brachten daraufhin zwei Bienen in einer halben Stunde mehr als 100 Tiere auf die falsche Fährte. Das sagte Jürgen Tautz, Leiter des Bienenforschungszentrums am Biozentrum der Universität Würzburg, der Deutschen Presse-Agentur. "Wir bringen die Bienen dazu, zu lügen." Die Studie präsentieren die Forscher in der britischen Fachzeitschrift Fachmagazin Nature (Bd. 411, S. 581) vom Donnerstag.

Bienen schätzen bei der Futtersuche Entfernungen ab, indem sie optische Reize aus ihrer Umgebung verarbeiten. Sie signalisieren dann mit einem Schwänzeltanz ihren Artgenossen Richtung und Entfernung einer Futterquelle. Geben die Tänzerinnen eine falsche Distanz vor, suchen die anderen am falschen Ort vergeblich nach Nahrung. Und das selbst dann, wenn sie den Tänzerinnen einfach folgen könnten.

Die Forscher lockten die Erkundungs-Bienen mit Zuckerlösungen in eine sechs Meter lange und zehn Zentimeter breite Röhre. Die Wände des Tunnels waren mit verschiedenen Mustern bemalt, die Insekten konnten dadurch die wahre Entfernung nicht erkennen. "Bei der Rückkehr in den Bienenstock tanzten sie ihrem Volk Distanzen von bis zu 200 Meter vor", berichtete Tautz. Die nächste Frage war, ob das Volk der falschen Fährte folgen würde. "Ein gutes Dutzend Mitarbeiter wartete in verschiedenen Entfernungen zum Institut auf die Bienen", erklärte Tautz. Die meisten seien frustriert gewesen - bis auf denjenigen, der am Ort der vorgetanzten Strecke wartete. "Die Bienen kamen dort in rauen Mengen an."


[Quelle: dpa]


Meldung vom 31.05.2001
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