Bienengift gegen Krebs



Die in einer Chemotherapie gegen Krebs eingesetzten Zellgifte haben vielfache Nebenwirkungen. Sie können Patienten mit Haarausfall, Gewichtsabnahme oder Schwindelgefühlen belasten. Weltweit suchen daher Forschergruppen nach Substanzen, die spezifischer auf Krebszellen einwirken und vom Körper ansonsten gut vertragen werden.

Ein australisches Team um Jerome Werkmeister von der Commonwealth Science and Industry Research Organisation (CSIRO) versucht, aus einer Substanz, die im Bienengift enthalten ist, eine entsprechende Arznei zu gewinnen. Der Hauptwirkstoff des Bienengiftes ist Mellitin. Es ist ein tödliches Zellgift, das im Menschen allergische Reaktionen hervorruft.

"Wir müssen daher die Struktur des Mellitin-Moleküls modifizieren und den Teil entfernen, der zu allergischen Reaktionen führt. Dabei muß die Substanz allerdings die Fähigkeit behalten, Zellen zu töten", erklärte Werkmeister gegenüber der BBC.

Ist den Wissenschaftlern dies gelungen, kann man aus dem veränderten Mellitin vielleicht ein sogenanntes Immunotoxin kreieren.

Immunotoxine sind moderne Waffen der Krebsbekämpfung. Die Moleküle dieser Substanzen besitzen zwei Teile: Zum einen enthalten sie ein Zellgift. Dieses Gift wirkt oftmals recht unspezifisch auf alle Zellen des Körpers. Die Aufgabe des anderen Immunotoxin-Parts ist daher, die Substanz gezielt in Krebsgewebe anzureichern. Dazu dient ein Antikörper - eine chemische Struktur, die auf Oberflächenmoleküle reagiert, die in diesem Fall ausschließlich auf Krebszellen vorkommen. Der Antikörper heftet sich an diese Moleküle, während er im Schlepptau das Zellgift mitzieht. Das Antikörper-Zellgift-Duo läßt die Zelle nicht mehr los, während sich weitere Immunotoxin-Moleküle im Krebsgewebe anreichern. Irgendwann ist eine kritische Konzentration des Mittels erreicht, und die attackierten Krebszellen gehen unter der Last des Angriffs zugrunde.

Auf diese Weise könnte man vielleicht auch Bienengift auf Krebszellen abrichten. Werkmeister und seine Kollegen glauben, daß in Immunotoxin verwandeltes Mellitin weniger Nebenwirkungen hätte als andere vergleichbare Medikamente. "Wir müssen mit diesen Forschungen aber noch einen recht langen Weg zurücklegen", räumt Werkmeister ein. Auch wenn sich die Forscher optimistisch geben, wäre es bei dem jetzigen Stand der Forschung verfrüht, Krebspatienten Hoffnungen auf eine verträgliche Bienengift-Arznei zu machen.



[Quelle: Andreas Wawrzinek, BBC]


Meldung vom 10.03.1999
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